FHO ja, aber keine zentralistische Organisation

Votum im Rahmen der Debatte zur neuen Fachhochschule (Septembersessions 2017).

Im Vorfeld der heutigen Debatte wurden die Vertreterinnen und Vertreter des Linthgebiets mit teils deftigen Vorwürfen eingedeckt. Das Linthgebiet wolle die neue Fachhochschulstruktur sabotieren, man wolle die Hochschule Rapperswil aus der FHO herausbrechen, und die breite Kritik an der Vorlage der Regierung sei ohnehin kleingeistig und Ausdruck eines billigen Regionalismus. Den Verantwortungsträgern und der Professorenschaft der HSR wurde überdies unmissverständlich klar gemacht, dass abweichende Meinungen nicht gefragt sind.

Es geht zweifellos um viel in der FHO-Debatte, und dies erklärt vielleicht, weshalb die Nerven da und dort blank liegen. Umso mehr möchte ich die Verantwortlichen bitten, die Debatte wieder zu versachlichen, die Druckversuche einzustellen, auch abweichende Meinungen zu akzeptieren und zurück zu einer fairen Diskussion zu finden. Die HSR ist ausserordentlich erfolgreich im Markt unterwegs und hat es verdient, bei der Neuordnung der FHO gehört zu werden. Stattdessen bei jeder kritischen Bemerkung die Regionalismus-Keule zu schwingen, ist daneben und spricht nicht für die guten Argumente der Reform.

Denn eines möchte ich betonen: Die HSR und das Linthgebiet als Ganzes sperren sich überhaupt nicht gegen eine kluge Reform der FHO. Und auch wenn wir die Zusammenlegung der drei Schulen nicht gesucht haben, können wir diese mittragen – im Sinne einer guten und zukunftsgerichteten Lösung für die ganze FHO. Ich bitte Sie, dies anzuerkennen.

Doch ja, es gibt die Sorge im Linthgebiet, dass die Neuordnung für einen Kanton wie St.Gallen allzu zentralistisch ausfällt. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir gebrannte Kinder sind im Linthgebiet. Es ist nun an der Regierung, glaubhaft zu machen, dass die neue FHO-Lösung nicht dazu führt, aus Prestigegründen und Hauptstadtstolz den Standort St.Gallen auf Kosten der Schulen in Buchs und Rapperswil auszubauen. Die HSR und eigentlich die ganze FHO sind auf gute Verbindungen in den Raum Zürichsee angewiesen, und die HSR ist gerne bereit, mit ihren Angeboten den Raum Ostschweiz zusätzlich zu stärken. Wichtig sind aber Lösungen, die sachlich Sinn machen, und nicht Lösungen, die vor allem politisch motiviert sind.

Deshalb ist entscheidend, wie die Trägerschaft, das Organisationsmodell, die Governance und die Kompetenzen der Schulen aussehen. Für uns ist z.B. zentral, dass die Trägerkantone Schwyz und Glarus weiterhin dabei bleiben. Für uns ist zentral, dass der Hochschulrat nach fachlichen und nicht nach politischen Kriterien zusammengesetzt wird. Für uns ist zentral, dass die einzelnen Schulen genügend Gestaltungsspielraum und Beweglichkeit behalten, um ihre Innovationskraft und ihre Positionierung im Markt halten zu können. Ein politisch motivierter Hauptstadt-Zentralismus hilft uns hier nicht weiter.

Gerne beteiligen wir uns deshalb weiterhin konstruktiv am Prozess hin zu einer besseren FHO. Lassen Sie deshalb von nun an die Regionalismus-Keule im Schrank und helfen Sie auf diese Weise mit, auch in den peripheren Regionen unseres Kantons Vertrauen zu schaffen. Ich bitte Sie, die Aufträge der vorberatenden Kommission zu unterstützen. Sie sind eine notwendige Voraussetzung dafür. Vielen Dank!

 

Kategorie: IG "Pro Bildungsstandort Linthgebiet", Kantonsrat | Kommentar schreiben

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