FHO-Debatte: mehr Sachlichkeit statt Regionalismus-Keule

Das Tagblatt hat der Debatte um die Fachhochschule Ostschweiz (FHO) einen ebenso fulminanten wie unterhaltsamen Kommentar gewidmet. Der Kommentar folgt dabei kritiklos jenem Dreiklang, den sich die Regierung für die Diskussion im Parlament zurechtgelegt hat: (1) Der Bund schreibt die Zusammenlegung der Schulen in St.Gallen, Buchs und Rapperswil vor, (2) die Regierung setzt diese Vorgabe um, (3) bei den Kritikern handelt es schlicht um poplige Regionalpolitiker. Das ist zwar rhetorisch geschickt, greift aber viel zu kurz.

Auf welch dünnem Eis sich die Regierung bewegt, zeigt sich schon darin, dass sie das Parlament zehn Jahre lang über ihre FHO-Pläne im Dunkeln liess. Es brauchte die Intervention aller Fraktionen, bis die Regierung den längst überfälligen Grundlagenbericht an die Hand nahm. Nur verletzter Parlamentsstolz also? Nein, denn das Vorgehen der Regierung offenbarte zwei grobe Fehler, unter denen die Debatte nun leidet. Zum einen hatte die Regierung ihren Entscheid über das FHO-Modell längst gefällt, als sie noch ein Gutachten zum Thema bestellte. Zum anderen kam heraus, dass die Behauptung, es sei der Bund, der die Zusammenlegung der drei Schulen verlangt, schlicht falsch war.

Die Regierung hat es damit versäumt, die Debatte von Anfang an auf eine sachliche Grundlage zu stellen. Dies hat Misstrauen geschaffen, denn man fragt sich zurecht, was die Gründe für dieses missglückte Vorgehen waren. Mit Regionalismus hat diese Kritik nichts zu tun.

Auch die Kritik am zentralistischen Organisationsmodell ist nicht regionalpolitisch begründet. Die Regierung will einen Hochschulrat (mit dem Bildungsdirektor als Präsident) und ein Rektorat (mit Sitz in St.Gallen). Mehr brauche das Parlament auch gar nicht zu wissen. Hier bin ich klar anderer Meinung. Der Kantonsrat soll wissen, wie viel Autonomie die Schulen haben und was zentral bestimmt wird. Wie die überkantonale Trägerschaft erhalten bleibt, obschon mehrere Mitträger gegen das Modell der Regierung sind. Wie die regionale Wirtschaft eingebunden wird, wenn alles aus St.Gallen gesteuert wird. Wie der Hochschulrat Fachkompetenz und Innovationskraft gewährleisten soll, wenn er verpolitisiert wird.

Es ist so: Am meisten zu verlieren hat die Hochschule Rapperswil. Sie ist erfolgreich unterwegs, holt viele Drittmittel aus der Wirtschaft und ist über die Kantonsgrenze hinaus ausgezeichnet verankert. Kantonale Alleingänge werden deshalb im Linthgebiet sicher skeptischer beäugt als anderswo. Es geht aber nicht um regionalpolitische Flausen, sondern darum, dass die Regierung vom Parlament verlangt, die Katze im Sack zu kaufen. Kein Wunder, gibt es Kritik.

Diese Kritik mit der Regionalismus-Keule zu erschlagen, ist unredlich und lenkt nur von der Sache ab. Eine Versachlichung der Debatte wäre bitter nötig. Nicht zuletzt, weil, wie das Tagblatt auch feststellt, wir im Linthgebiet gebrannte Kinder sind. Denn schon die Kanti-Debatte verlief nach demselben Muster: Die Regierung ist für Wattwil, doch es gibt Kritik. Die Regierung bestellt eine Studie, doch die findet den Standort Linthgebiet besser. Die Regierung ignoriert das, doch die Studie wird publik. Das Linthgebiet ist empört, doch was folgt ist keine Versachlichung der Debatte, sondern der Regionalismus-Vorwurf.

Zugunsten des ganzen Kantons würde ich mir einen sachlicheren Blick auf das Linthgebiet wünschen. Darum ein letzter Hinweis zum eingangs erwähnten Kommentar: Hauptort des Kantons Linth war nicht Rapperswil, sondern Glarus…

Kategorie: IG "Pro Bildungsstandort Linthgebiet", Kantonsrat | Kommentar schreiben

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